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Sommer der Unzufriedenen

Von Steve Beckow

Mein erstes „Erwachen“, wenn man so will kam 1991, als ich mit meiner Frau durch eine beliebte halbländliche Gegend in Britisch Columbia fuhren und ich plötzlich realisierte, dass hier sich etwas verändert hatte.

Die Landschaft der Stadt durch die wir fuhren hatte sich verändert. Verschwunden waren die kleinen Läden in denen  Mamis und Papis, gerne einen Stopp einlegten um sich gut gehen zu lassen. Alles sah gleich aus und ich wusste, dass würde auch auf Vancouver zukommen – McDonalds Restaurants, Starbucks Coffee Shops, 7/11 Eck Geschäfte, Pommes-Budden überall.

Ich könnte keinen Restaurant oder Hotel finden, dass den Einheimischen gehören könnte. Alles war international, internationale Ketten.

In dem Augenblick hatte ich eine Offenbarung. Ich sah wie der Computer seine Arbeit verrichtete. Anschließend begann ich zu recherchieren und an die Landesregierung, an die Arbeitervereinigung der Provinz, an Zeitungen, an die Räte der Berufs- und Wirtschaftsverbände zu schreiben, praktisch an jeden, wo ich dachte, er sollte interessiert und besorgt sein über die Auswirkungen des Computers auf die Arbeitswelt.

Ich fing an, ein riesiges Buch über den Raubtierkapitalismus zu schreiben, das ich fertiggestellt habe, das aber nie das Licht der Welt erblickte. Ich schaute auf all die Trends des modernen Geschäftslebens – Just- in-Time-Produktion [Zeitnahe Produktion], automatische Fabriken, automatische Lagerhallen, etc.

Keinen interessierte es. Unsere Verliebtheit in den Computer war zu dieser Zeit so groß, dass niemand mich registriert hätte, niemand hatte auf meine zugesandten Artikel geantwortet, nichts reagierte auf mein kurzes Intermezzo als Cassandra, die Prophetin von Weltuntergangstimmung.

Ich schrieb einen Artikel an die nationale Zeitung, The Toronto Globe and Mail, über was man von Automation erwarten kann. Ich habe alle Jobkategorien, die ich mir denken konnte aufgelistet, all die Berufe, all die Arbeitsfelder, die anfällig für Automatisierung waren. Ich habe gewarnt, dass Roboter keine Steuern zahlen, kaum Dienstleistungen und Waren konsumieren, niemand ausbilden, nichts zur Sozialleistungen beitragen, abgesehen von der Arbeit, die sie zur Bereicherung der Kapitalbesitzer verrichten.

Diese Liste wird immer noch von manchen Gewerkschaften, die diesen Aufschrei viele Jahre später aufgenommen haben, weitergegeben, aber zu unserer Zeit….nada.

Ich habe ein Buch geschrieben in dem ich einen amerikanischen Reiseführer nahm, dessen Ziel es war  die Förderung einer Überbrückung für Reisebüroangestellte (zu dieser Zeit war meine Frau eine Reisebüroangestellte), als Beispiel wie Menschen aus ihren Arbeitsplätzen durch Maschinen gedrängt werden.  Ich habe es an jeden geschickt der auf irgendeine Weise mit dem Reiseführer im Kontakt stand, oder in irgendeiner einer Weise mit Reisen zu tun hatte. Auch hier – ein sehr geringer Effekt. Überall vernichteten  Maschinen die Jobs, bauten Arbeitsplätze ab. Überall, Karieren, Berufe, Einsteiger-Jobs, alles was wiederholbar, automatisierbar war, wurde durch die gefräßigen Computer vereinnahmt.

Mal schnell ein paar Jahre zurück in die Zeit, als ich pensioniert von meinem letzten Job wurde.  Ich unterhielt mich mit meinem  Verwandten, dessen Sohn solch Schwierigkeiten hatte einen Job zu finden. Sein Sohn hatte Frau und eine kleine Tochter für die er zu sorgen hatte und der im besten Fall nur in der Lage war Kurzzeitjobs zu finden, aber nie etwas von Dauer; und diese Kurzzeit Aufträge nur Zeitweise, und in der Zwischenzeit war er angewiesen auf die Unterstützung der Familie und weiterer Verwandten. Ich versuchte mein Bestes um die Situation der jungen Menschen von heute darzustellen.

Ich hatte eine Übereinkunft mit meinem letzten Arbeitgeber erzielt – eine Tagesbezahlung für eine Woche Arbeit – und all das Geld ging in die Unterstützung der Familie seines Sohnes um den Winter zu überleben.

Was mich in dieser Zeit getroffen hat war, dass fast alle Einstiegjobs, an die ich mir denken könnte, in fast jedem Beruf, automatisiert wurden. Sicherlich, all die Einstiegsjobs die ich hatte, manche von ihnen waren über Jahre da und dank denen ich existieren konnte, manche die mir ermöglichten von einem Arbeitsgebiet in ein anderes zu wechseln, oder zu reisen und dann sie wieder aufnehen, die sind nicht mehr da.

Der Sohn meines Verwandten, wie auch seine Tochter, soweit ich mich erinnern kann, waren in der Lage einen Einstiegsjob zu finden, in irgendeinem Bereich; sie waren gezwungen so lange wie möglich auf der Universität zu bleiben, um „Consultant“ zu werden – jeder scheint in diesen Tagen Consultant zu sein – und sich mit allen möglichen Nebenjobs über Wasser zu halten. Jeder Freund und Verwandter der etwas Arbeit hatte, war gefragt. Ein Hansdampf in allen Gassen. Aber er startete durch. Zeitweise.

Schließlich bekam der Sohn einen Job in einer Ölgesellschaft, ganze 1500 Meilen weg von Zuhause und musste seine Familie alle drei Wochen für eine Woche besuchen, indem er einen Tag für Hin- und einen Tag für Rückreise brauchte und eine Woche blieb um einfach seine Frau zu entlasten, die jetzt zwei kleine Töchter und selbst einen Job hatte.

Das ist die Gesellschaft, zu der wir wurden. Und wie ich jetzt so betrachte, benutzten die Kapitäne der Industrie den Computer um mehr Druck auf die Lage der Arbeiter auszuüben. Hier ist nicht der Platz um sich über die Arbeitsplätze, die nach Übersee abgewandert sind auszulassen. Das möchte ich auf einem anderen Blatt Papier schreiben. Aber denke daran, dass Arbeiten, die die Automatisierung überlebten, häufig ins Ausland ausgegliedert wurden und damit die hiesigen Arbeiter noch mehr unter Druck setzten.

Diese Arbeitnehmer, die es schafften ihre Jobs zu behalten, verloren ihre Alterssicherung, Leistungsprämien, anständige Löhne, jegliche Sicherheit, die sie hatten. Es hatte sich ein Handelsmarkt für Jobs entwickelt und seit dem blieb es so, soweit ich es weiß.

Nun schauen wir mal auf die Jugendlichen in London, Birmingham, Liverpool und wo auch immer; mit ihren Krawallen verlangen sie nicht politische Freiheit (obwohl sie konnten, wenn sie wussten was wir über die wahre Natur der Londoner Bombenattentate wissen und über den Verfall der Verfassungsrechte). Sie plündern Geschäfte.

Wenn ich das sehe, und mich daran erinnere, was getan wurde um die Arbeit kräftig zu reduzieren, aus der Perspektive der Hoffnungslosigkeit der heutigen Jugend, aus dem Mangel an Arbeit alleine, geschweige denn dem Mangel an Fortschritt in Unternehmen in denen noch jene Glück haben einen Job zu landen, bin ich nicht überrascht, wenn ich Jugend in Geschäften anklopfen sehe, die voller Waren sind, die sie sich wahrscheinlich nicht leisten können.

Um zu sagen, da wo es keinen sozialen Inhalt gibt, gibt es auch keinen sozialen Kommentar, was eine schwer zu verdauende Wahrheit ist.

Wir haben Arbeit automatisiert. Wir haben Arbeit nach Übersee verschifft. Wir haben weiße Landflächen der Arbeit bekommen. Wir haben immer mehr Arbeit auf die Schulter der übriggebliebenen Angestellten aufgeladen. Wir haben das Tempo beschleunigt. Wir spionieren die Arbeiter bei der Nutzung ihres Telefons, ihres Kopierers, ihrer online Aktivitäten. Wir attackieren Gewerkschaften. Da gibt es möglicherweise einen rassistischen Grund im Spiel, wer eine Arbeit bekommt und wer nicht. Außer, es werden illegale Einwanderer dazu benutzt um die Löhne weiter zu drücken und die Gewerkschaften unter Druck zu setzen. All die bedauerliche Praxis im Namen der sogenannten „freien“ Gesellschaft.

Die Gesellschaft scheint „frei“ zu sein für diejenigen am höheren Ende der Einkommensskala, aber sicherlich nicht frei, nicht befreit nicht erreichbar für die Unglücklichen, die sich am Ende dieser Skala taumeln. Was ist das berühmte Zeichen, bei dem ich sicher bin, dass es in jeder Stadt gegenwärtig ist? Die Menschen sind frei um unter der Brücke zu schlafen, um auf den Straßen zu verhungern, etc.?

Unsere Gesellschaften im Westen wurden jedes Jahr ungerechter. Jedermann, der ausgebeutet, herabgestuft, schlechter bezahlt, oder seiner Zuschüsse beraubt werden konnte, wurde es auch. Jeder der keine Arbeit findet, findet einen sozialen Auffangnetz, der eins da war, aber jetzt immer mehr abgebaut wird, bis er fast nicht existent ist, jetzt. Und wir sitzen hier und wundern uns warum die Jugend in London auf die Straßen geht und Gebäude niederbrennt und Geschäfte plündert.

Ich dulde keine Krawalle und Zerstörung, aber ich dulde ebenso wenig was wir mit der Arbeit getan haben, was wir mit den Löhnen und Boni gemacht haben und was wir der Jugend angetan haben. Eine fahrlässige, gefühlskalte Gesellschaft hat ihr Spiegelbild in den Gesichtern der Jugend gesehen. Können wir uns wirklich wundern warum sie solche Dinge tut? Können wir den Strick noch stärker anziehen bis er reißt? Wie oft in den vergangenen letzten 10-30 Jahren wurde die Jugend gefragt es zu ertragen? Wie viel von unserm Wohlstand wurde durch ihre Misere erkauft? Wie wenig Aussichten sie auf die Zukunft haben? Welchen Stand haben sie in der Gesellschaft? Was haben sie zu verlieren?

Ich kann nicht sagen, dass ich überrascht bin zu sehen, was in den britischen Städten passiert. Wenn wir die baldige Ankunft des gerechten und ausgewogenen NESARA Systems nicht sehen würden, würde es mich nicht überraschen es das gleiche Bild bei uns zu sehen.

Kommen Sie und denken Sie darüber nach. Dasselbe ist hier in Vancouver nach dem Stanley Coup Finale, als die Jugend in der Innenstadt randalierte, passiert. Noch mal, was haben sie getroffen? Die lokalen Geschäfte, die sie plünderten.

Es würde mich nicht wundern wenn sich ihre Unzufriedenheit ausbreiten würde. Wir haben zu lange gewartet. Wir haben zu wenig geschafft. Und jetzt zahlen wir den Preis.

Quelle: http://stevebeckow.com/2011/08/the-summer-of-their-discontent/#more-61356
Übersetzung: Arameus

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