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Patrick Meighan: Mein „Besetzt-LA“-Arrest

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Mein „Besetzt-LA“-Arrest

Patrick Meighan

Dienstag, 6. Dezember 2011

Mein Name ist Patrick Meighan, und ich bin Ehemann, Vater und Autor bei der Zeichentrick-Sitcom „Family Guy“ von Fox, und ich bin Mitglied bei der Unitarian Universalist Community Kirche von Santa Monica. 

Am Mittwoch um ein Uhr morgens wurde ich zusammen mit 291 anderen Leuten bei „Besetzt LA“ verhaftet. Ich saß im City-Hall-Park mit einem Kissen, einer Decke und einem Exemplar von Thich Nhat Hanhs „Being Peace“ (Frieden sein), als 1400 schwer bewaffnete Polizisten von Los Angeles in paramilitärischer SWAT-Kluft daherkamen. Ichbefand mich in einer Gruppe von etwa 50 friedlichen Demonstranten, die nach indianischer Art, die Arme miteinander verschränkt, um ein Zelt (symbolisches Bild für die Besetzerbewegung) herumsaßen. Die Polizisten umzingelten uns, Waffen im Anschlag, während wir sangen „wir sind friedlich“ und „wir sind gewaltfrei“ und „schließt euch uns an“.

Während wir da umzingelt saßen, fing eine andere Gruppe von Polizisten an, mit Messern jedes einzelne private Zelt im Park aufzuschneiden. Dann zerrten sie mit Gewalt alle im Innern Schlafenden heraus, anschließend und holten sie alle persönlichen Gegenstände aus den Zelten, zerstörten sie und  verstreuten die Reste im Park. Dann taten sie dasselbe mit dem Gemeinschaftsbesitz der „Besetzt-LA-Bewegung“. Zum Beispiel beobachtete ich, wie die Polizei ein aufklappbares Pavillonzelt zerstörte, das bis zu jenem Moment als Erste-Hilfe- und Wellnesszelt der Bewegung gedient hatte, in welchem Freiwillige aus medizinischen Berufen wirklich jedem, der darum bat, gratis medizinische Behandlungen gaben. Zufällig hatte meine Familie der „Besetzt-LA“ für genau dieses Zelt  einen finanziellen Beitrag von mehreren hundert Dollars aus der Haushaltskasse gegeben. Und so beobachtete ich, wie die Polizei von LA das Zelt in Streifen zerschnitt, die teleskopischen Zeltstangen in Stücke brach und alles in den Park warf. Wobei zu erwähnen ist, dass es diese Gegenstände sind, die in anschließenden Berichten der Mainstream-Presse als „30 Tonnen Abfall welche die „Besetzt-LA“-Bewegung hinterlassen habe“ beschrieben wird: Persönlicher Besitz, der uns mit Gewalt gestohlen, vor unseren Augen zerstört und dann den Arbeitern des Parkunterhalts zum Entsorgen überlassen wurde – während wir ins Gefängnis gebracht wurden.

Als die Los-Angeles-Polizei schließlich anfing, jene von uns miteinander Verketteten und um das symbolische Zelt Sitzenden zu verhaften, wurde uns von der Polizei befohlen, uns voneinander zu lösen  (um das Verhaften zu erleichtern). Jedem sitzenden, gewaltlosen Protester um mich herum, der sich weigerte zu kooperieren, indem er seine Arme löste, wurde Folgendes angetan: Ein LA-Polizist streckte mit Gewalt die Beine des Demonstranten, packte seinen linken Fuß, drehte ihn ganz herum und stampfte mit seinem Fuß auf die Fußsohle, wodurch er den Fuß des Demonstranten rückwärts gedreht am Boden festnagelte. Dann packte der Polizist den rechten Fuß des Demonstranten und drehte ihn in der Gegenrichtung herum, bis der gewaltlose Demonstrant in Todesangst und vor Schmerzen schrie und sich von seinem Nachbarn löste.

Es war schrecklich anzusehen und diente offensichtlich dazu, dem Rest von uns Angst zu machen. Zumindest ich war genügend eingeschüchtert. Ich löste meine Arme freiwillig und sagte den Polizisten, dass ich friedlich und kooperativ sein würde. Ich stand da, wie mir gesagt wurde, und dann zerrte man mir die Arme auf den Rücken, und ein Polizist zog mir die Handgelenke extrem an den Unterarmen hoch. Es war ungeheuer brutal, es schmerzte ebenso ungeheuer, und er machte das absichtlich. Als ich aus einem Reflex heraus vor Schmerzen zurückwich, stieß mich der Polizist kopfvoran auf den Boden. Er hielt meine Hände hinter dem Rücken, und so fiel ich direkt auf mein Gesicht. Der Polizist ließ sich mit dem Knie auf meinen Rücken fallen und drückte mir das Gesicht auf den Boden. Es tat wirklich wahnsinnig weh, mein Gesicht begann zu bluten, und ich hatte eine starke Angst. Ich bat um Gnade und versicherte, dass ich mich wirklich nicht gewehrt hatte und dass ich mich auch nicht wehren würde.

Meine Hände wurden mir sehr eng hinter dem Rücken gefesselt, wo sie sich schließlich blau färbten. Ich leide seitdem an einer Nervenverletzung im rechten Daumen und auf der Handfläche.

Zusammen mit anderen gewaltlosen Demonstranten wurde ich in ein Polizeifahrzeug geladen und zu einer Parkgarage im Parker Center gebracht. Dort zwangen sie uns, uns auf den harten Boden zu knien – während sieben geschlagenen Stunden und mit immer noch eng gefesselten Händen auf dem Rücken. Einige fingen an ohnmächtig zu werden. Ein Mann kippte zu Boden und erbrach sich sehr lange, bevor er ohnmächtig wurde. Die Polizisten schauten tatenlos zu.

Um neun Uhr morgens wurden wir endlich aus der Garage weg in die Polizeistation gebracht, wo man sich mit uns befasste. Die Anklage lautete auf „Sitzen im Park, nachdem die Polizei es verboten hatte“. Dies ist ein Vergehen. Bei einem Vergehen gibt einem die Polizei fast immer einen Strafzettel und lässt einen gehen. Dies kostet ein paar hundert Dollars. Das war es, was an jenem Tag im Falle fast aller anderen Arreste wegen eines Vergehens in LA passierte.

Bei uns „Besetzt-LA“-Demonstranten hingegen verlangten sie eine Kaution von 5000 Dollars und reservierten für uns im Gefängnis. Fast keiner der Demonstranten konnte selbst die Kaution leisten. Ich hatte Glück und konnte sie leisten – nur dass die Polizei sich den ganzen Tag weigerte, die von ihnen verlangte Kaution überhaupt zu „akzeptieren“. Wenn Sie an jenem Tag in LA ein angeklagter Mörder oder Vergewaltiger waren, konnten Sieeinfach schnell Ihre Kaution bezahlen und waren schnell wieder draußen auf der Straße, ohne Problem. Aber wenn Sie ein gewaltloser „Besetzt-LA“-Demonstrant mit dem Geld für die Kaution in der Hand sind, werden Sie bis zum nächsten Morgen zurückgehalten und haben absolut keine Kontaktmöglichkeit zu einem Anwalt.

Ich verbrachte den größten Teil des Tages und der Nacht eingepfercht in einer Gefängniszelle für acht Personen, zusammen mit sechzehn weiteren Demonstranten. Mein Schlafplatz befand sich auf dem Boden neben der Toilette.

Endlich, um 2.30 Uhr am nächsten Morgen, nach 25 Stunden in Haft, wurde ich auf Kaution freigelassen. Aber da waren mindestens 200 „Besetzt-LA“-Demonstranten, die sich die Kaution nicht leisten konnten. Die LA-Polizei beschloss, diese friedlichen, gewaltlosen Demonstranten für volle zwei Tage im Gefängnis zu behalten – das absolute legale Maximum, während dem es ihr erlaubt ist, jemanden für ein Vergehen einzulochen.

Nur zur Erinnerung: Antonio Villaraigosa hat sich auf dies alles als „die Glanzstunde der LA-Polizei“ bezogen.

So, das war es, was den 292 Frauen und Männern geschah, die am letzten Mittwoch verhaftet wurden. Nun lassen Sie uns über einen Mann sprechen, der am letzten Mittwoch nicht verhaftet wurde. Es ist der frühere Generaldirektor der Citigroup, Charles Prince. Unter Charles Prince wurde Citigroup des massiven, koordinierten Versicherungsbetruges für schuldig befunden.

Citigroup verbrachte Jahre damit, jedes faule Hypothekendarlehen aufzukaufen, das sie finden konnte, machte aus jenen faulen Krediten faule Sicherheiten und verkaufte darauf  Anteile davon an übertölpelte Investoren. Und dann wettete sie manchmal heimlich „gegen“ ihre „eigenen“ faulen Sicherheiten, um noch mehr Geld zu machen. So eine faule Citigroup-Sicherheit nannte die Citigroup-Direktion intern, Zitat: „Eine Sammlung von Hundescheiße“.  Den Investoren gegenüber nannten sie sie jedoch, Zitat: „Eine attraktive Investition, von einem unabhängigen Investmentberater durch eine strenge Analyse ausgewählt“.

Dies ist Betrug, und es ist ein Verbrechen, und alle Charles Prince dieser Welt verbrachten viele Jahre damit, dies wieder und wieder zu tun: wissentlich faule Kredite ausgeben und sie dann zu betrügerischen Sicherheiten zusammenbinden, welche sie dann den Gimpeln verkauften, wonach sie dann das Spiel wiederholten. Dies ist größtenteils der Grund, warum der Wert Ihrer Grundstücke so schnell anstieg. Aber dann platzte die Blase, und dies ist auch der Grund, warum sich nun Ihr Heim unter Wasser befindet. Oder warum zumindest meines es ist.

Wie auch immer, falls Ihr Rentenfonds den Ertragswert eines Jahrzehnts verlor, das ist es, warum.

Falls die Mittelschule Ihres Sohnes zusätzliche Urlaubstage gab, weil der Schuldistrikt es sich nicht mehr leisten kann, seine Tore für ein volles Schuljahr offenzuhalten, das ist es, warum.

Falls Ihre Tochter mit Hochschulabschluss vom College kam, nur um zu entdecken, dass es für sie keine Jobs gibt, das ist es, warum.

Aber zurück zu Charles Prince. Für seine vier Jahre, während denen er sich bei der Citigroup um einen massiven, wiederholten Betrug kümmerte, bekam er dreiundfünfzig Millionen Dollars als Salär und erhielt außerdem  weitere vierundneunzig Millionen Dollars an Beteiligungen. Was Charles Prince nicht erhielt, das waren ein Paar Handschellen. Kein Bulle hat ihn mit dem Gesicht voran aufs Pflaster geworfen. Jeder einzelne friedliche, gewaltlose „Besetzt-LA“-Demonstrant, der letzte Woche verhaftet worden ist, hat mehr Zeit damit verbracht, auf einem Gefängnisboden zu schlafen, als alle Charles Prince der Wall Street zusammengenommen.

Je mehr ich darüber nachdenke, umso wütender werde ich. Was sagt dies über unser Land aus, wo gewaltlose Demonstranten mit Polizeistiefeln zu Boden getreten werden, während jenen, die Hunderte von Milliarden, ja Billionen stehlen – was auf eine Generation hinaus unserer Wirtschaft Schaden zufügt und das soziale Gefüge zertrümmert – nicht nur die Handschellen erspart bleiben, nein, sie werden noch mit Belohnungen übergossen?

Auf jeden Fall, glaubt es oder glaubt es nicht, ich bin wirklich nicht wütend darüber, verhaftet worden zu sein. Und ich bin noch nicht einmal wütend über den Bürgermeister und die Polizei von LA, die beschlossen, gewaltlosen Demonstranten wie mir ein kleines Extraabenteuer im Gefängnis zu bieten (obwohl ich dafür auch nicht besonders dankbar bin).

Ich bin einfach stinkwütend darüber, dass sich nicht jeder einzelne der Charles Prince mit mir im Gefängnis befand.

Danke, dass ich heute mit Ihnen meine Wut teilen durfte.

Patrick Meighan

Übersetzung Remo Santini

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