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Leben nach „Anastasia“ – Familienlandsitz Terra Animam

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Ein herzliches Dankeschön an Yella und Christoph für diesen wundervollen Bericht über ihr Familienlandsitzprojekt in Ungarn!

Familienlandsitz terra animam/ Familienlandsitz-Siedlung élhető világ:
Leben selbstgemacht

Website http://www.terra-animam.eu

Stell dir Folgendes vor: Geweckt von Vogelgezwitscher wachst du eines Morgens in deinem nach Gräsern duftenden Heubett auf, die ersten Sonnenstrahlen wärmen dein Gesicht. Du stehst auf und spazierst zu deinem kleinen See, in dem du wie jeden Morgen ein erfrischendes Bad nimmst und dich anschließend von der Sonne trocknen lässt. Du beendest deinen kleinen Badeausflug mit einem Rundgang über dein Grundstück und freust dich über die vielfältige Pflanzenwelt, die dir und deiner Familie Schutz vor Wind, Wetter und unerwünschten Eindringlingen bietet und euch jedes Jahr mit unzähligen Früchten, Nüssen und Beeren ernährt. Auf der Veranda des mit deinen eigenen Händen gebauten Hauses wartet schon ein Frühstück aus den ersten Feldfrüchten deines Gartens, selbstgebackenem Brot und dem Honig deiner Bienen auf dich. – Wenn ein solcher Start in den Tag etwas in deinem Herzen zum Klingen bringt, dann geht es dir genau wie uns!

Vor fünf Jahren machte Christoph den Anfang: Schon als Teenager hatte er immer den Wunsch auf einem eigenen Stück Land zu leben, selber sein Haus zu bauen und mit seiner Familie selbstversorgend zu leben. Mit Anfang Zwanzig las er dann die Bücher der Reihe „Die klingenden Zedern“ von W. Megre und fand seinen Traum dort wieder. In Ungarn fand er SEINEN Platz: Hier hatten ein paar Menschen gerade den Grundstein zu einer solchen Siedlung gelegt. Christoph kündigte mit Freude all seine Verpflichtungen in der Schweiz auf und begann sein neues Leben als Familienlandsitzer in Ungarn. Wobei zur vollständigen Erfüllung des Wortes der Teil „Familie“ noch fehlte – hier kam ich, Yella, ins Spiel: Ich lebte und arbeitete zu dieser Zeit im Schwarzwald und suchte schon seit Längerem nach einem Ausweg aus dem klassischen Hamsterrad: Ich arbeitete und verdiente dabei genauso viel, dass ich weiter arbeiten konnte. Bei der Beschäftigung mit alternativen Lebensformen, Gemeinschaften, etc. stellte ich fest, dass die vielen Regeln, die die meisten dieser Konzepte zum Bestehen brauchten, mich „vom Regen in die Traufe“ gelangen lassen würden: Mein Lebensrahmen würde sich ändern, mich aber immer noch einengen. Christophs Idee von einzelnen Familienlandsitzen, auf denen jede Familie ihr eigenes kleines Königreich erschafft und autonom lebt, verbunden mit den anderen Grundstücken durch ein gemeinsames Leitbild auf das jede Familie freiwillig, aus eigener Überzeugung und im eigenen Tempo hinarbeitet, begeisterte mich. Wir beschlossen also, das „Projekt Leben“ miteinander zu wagen und ich zog zu ihm nach Ungarn.

Seitdem verfolgen wir nun unser Ziel: Einen autarken Familienlandsitz aufzubauen, auf und von dem wir so selbstversorgend und nachhaltig wie möglich leben können. Dabei verfolgen wir neben den vielen konkreten Handlungen die so ein Leben mit sich bringt, eine Lebensweise, die auch eine spirituelle Sicht auf die Dinge zulässt: Wir haben unseren Landsitz „terra animam“ getauft, was so viel bedeutet wie „Landseele“. Dies drückt für uns aus, dass wir in einem Raum leben, den wir fortlaufend beseelen und der seinerseits beseelt ist. Pflanzen, Tiere und Wesenheiten bildet eine Einheit, der allen Bewohnern dieses Raumes Schutz, Geborgenheit und Liebe bietet. Wir Menschen gestalten diesen Raum aktiv und übernehmen damit die große Verantwortung, allen Bewohnern so gut wie möglich gerecht zu werden. Jede Handlung, die wir mit Liebe am Land und für das Land ausführen, bekommen wir in gleicher Weise von diesem Lebensraum zurück. Diese Lebensweise kann sich bis zu einer absoluten Symbiose zwischen Mensch und Natur entwickeln, in der der Mensch nicht mehr abhängig von den als normal definierten Bedürfnissen wie Behausung, Bekleidung etc. ist.

Dabei ist uns klar, dass wir uns noch ganz am Anfang unseres Weges befinden, wir haben gerade den allerersten Schritt gemacht. Als ehemalige Lehrer und Ernährungswissenschaftlerin waren wir auf jedwedem Gebiet des Landlebens absolute Laien. Das herkömmliche Leben suggeriert uns, dass es für jede Fertigkeit eine Ausbildung, wenn nicht sogar ein Studium braucht. Dementsprechend war vor allem bei mir die Unsicherheit groß, wie wir als „Greenhorns“ dazu imstande sein sollten, ein Stück Wildwiese selbstversorgend zu bewirtschaften, geschweige denn selber ein Haus zu bauen. Hier war es vor allem Christoph, der uns mit seinem starken Willen vorantrieb und mich mit seiner Zuversicht ansteckte. Und er sollte recht behalten: Innerhalb von drei Jahren bauten wir mit unseren eigenen Händen per „learning by doing“ ein Haus!

Hat man die Frage nach dem Dach über dem Kopf erst einmal geklärt, fallen einem natürlich sofort weitere Eckpfeiler des selbstversorgerischen Lebens ein. Das zentrale Thema ist hier wohl die Ernährung: Parallel zum Hausbau haben wir mit der Anlage eines Gartens begonnen, auch hier nach der Methode „learning by doing“. Der Boden unseres Grundstücks besteht aus schwerem, verdichteten Lehm, deswegen waren unsere ersten Gartenversuche eher entmutigend. Im Laufe der Zeit stellten wir allerdings fest, dass dicke Mulchschichten Wunder bewirken. Mit dieser Methode haben wir bisher zumindest schon mal einen Teil unserer Gemüseversorgung erfolgreich abdecken können, im Winter zaubert uns jedes selbst eingemachte Glas Tomaten ein Lächeln auf die Lippen. Neben dem Gemüse gibt es ja aber noch die vielen anderen, täglich konsumierten Lebensmittel, für die wir auch noch immer in den Supermarkt marschieren müssen: Brot, Milch, Öl, Kaffee, etc. Wir sind uns bewusst, dass wir hier noch einen weiten Weg vor uns haben. Hier stellt sich auch die Frage nach der grundsätzlichen Art der Ernährung: Fleisch essen, vegetarisch oder gar vegan? Klar ist: je pflanzlicher die Nahrung ist, desto einfacher wird die Selbstversorgung. Wir haben uns für den vegetarischen Weg entschieden, freuen uns aber über die Eier, die uns unsere „Federkugeln“ liefern.

Nicht nur beim Thema Ernährung müssen wir uns immer wieder auf unsere Ziele zurückbesinnen und hinterfragen: Was wollen wir wirklich? Was BRAUCHEN wir wirklich? Die Auseinandersetzung mit den Forderungen der Gesellschaft hört dabei nie auf, wir sind stetig neu mit auf diese Weise produzierten Überzeugungen und Ängsten konfrontiert. Vermeintliche Sicherheiten und auch „Versuchungen“ wollen ständig hinterfragt werden, die Eigenverantwortung wird immer wieder neu gefordert. Dies erfordert das Vertrauen, mit offenen Augen in den Fluss des Lebens zu springen. Zum einen ist hier wohl die Konsequenz am wichtigsten: sich immer in dieselbe Richtung zu bewegen. Dabei gibt es Wegstrecken auf denen man schneller vorankommt und andere, auf denen einen die Schnecken auf dem Weg zu den Salaten im Garten überholen. Zum anderen braucht es den Mut, für seine Überzeugungen und, je nach Entscheidung, auch für ein „nein“ einzutreten, eventuell auch gegen die Meinung nahestehender Menschen.

Eine große Herausforderung war und ist für mich die freiwillig gewählte Selbstverantwortung, diese große Chance, die Landkarte des Lebens mit den eigenen Farben zu bemalen. Nicht nur, was die schon erwähnten Ängste und Versuchungen angeht, auch die generelle Möglichkeit über jedes einzelne Detail des eigenen Lebens frei entscheiden zu können fordert ständig das bewusste Überdenken der eigenen Situation heraus. „Herumdümpeln“ im Fluss des Lebens ist nicht mehr möglich. Schon öfter habe ich mich in mein altes Arbeitsverhältnis zurückgewünscht, nur um noch einmal einen Rahmen zu spüren, dieses kuschelige Gefängnis von vorgegebenen Grenzen, die mir genau sagen, was möglich ist und was nicht. Kurze Aufenthalte in der „normalen“ Welt haben mich aber immer wieder sehr schnell von diesem Wunsch kuriert und das Glücksgefühl beim Betreten MEINES Familienlandsitzes hat mich von der Richtigkeit meines Lebenskonzeptes überzeugt.

Fehlende Ablenkungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel der Fernseher, hindern uns hier daran, vor uns selbst wegzulaufen und zwingen uns dazu, uns mit uns selbst und unserem Gegenüber auseinander zu setzen. In den vergangenen fünf Jahren durften viele bisher verschüttete Teile von uns ans Tageslicht kommen. Unbewusste Prozesse drängen hervor und möchten wahrgenommen werden. Der Partner, den wir ja 24 Stunden am Tag um uns haben und auch die umgebenden Nachbarn fungieren dabei als hervorragende Projektionsflächen. Das ist oft nicht einfach und verlangt von allen Beteiligten Konfliktbereitschaft und –fähigkeit. Alle brachten ihr „Päckchen“ aus dem alten Leben mit, dessen Schnüre sich mit der Zeit von selbst lösten. Die Maskerade, die sich jeder Mensch im normalen Alltag aufbaut, konnte im Umfeld der Familienlandsitze niemand aufrecht erhalten – früher oder später zeigte sich jeder. Im Laufe der Jahre flogen oft „die Fetzen“ zwischen allen Beteiligten, aber wir dürfen zum jetzigen Zeitpunkt mit Stolz sagen, dass wir uns trotz und gerade deswegen heute alle mehr mögen, als zum Zeitpunkt unseres Kennenlernens. Wir haben gelernt, einander zu respektieren, die Stärken und vor allem auch die Schwächen eines Jeden anzuerkennen und jeden sich in seiner Geschwindigkeit entwickeln zu lassen. Das funktionierte nicht zuletzt auch deswegen, weil jedes Mitglied immer die Möglichkeit hat, sich in seinen eigenen Schutzraum zurückzuziehen, sich zu regenerieren und über das Erlebte nachzudenken. Allerdings ist es wichtig zu betonen, dass auch wir hier noch lange nicht „den Stein der Weisen“ gefunden haben. Auch wir streiten weiter und müssen noch viel an uns arbeiten.

Vielleicht stellst du dir zur Zeit die große Frage: WARUM? – Die Frage nach dem Lebenssinn. Was macht dich wirklich glücklich? Was erfüllt dich?

Wir haben hier unsere Geschichte erzählt, um dir Mut zu machen, dir die Kraft zu geben und dich darin zu unterstützen, deine eigenen Träume wahr werden zu lassen! Anhand unseres Beispiels von den „zwei Stadtmäusen, die aufs Land zogen“ möchten wir deutlich machen, dass wirklich jeder Mensch, ungeachtet seines vorhergehenden Lebens, dazu in der Lage ist, in ein eigenverantwortliches Leben einzusteigen. Einzig der feste Wille zählt. „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ in Sachen Freiheit ist möglich!

Auf unserer Webseite http://www.terra-animam.eu aktualisieren und ergänzen wir regelmäßig unsere Erfahrungen und Erlebnisse über unser Leben auf dem Familienlandsitz terra animam.

4 Kommentare zu “Leben nach „Anastasia“ – Familienlandsitz Terra Animam

  1. Liebe Yella,
    ich lese dich gerade in einer etwas schwierigen Lebenssituation und deine Ausführungen machen mir Mut. Ich kündigte vergangenes Jahr meine Arbeit und das gemietete Reihenhaus, ging erst nach Südtirol und danach für 10 Monate in die Schweiz. In mir klingen die Wahrheiten von Anastasia und mein innigster Wunsch ist es, ebenfalls meinen Traum vom Leben auf dem Land und die Selbstversorgung umzusetzen. Wie gut, dass dein Partner seinen Visionen tatkräftig und im Vertrauen umsetzt und dies mit dir gemeinsam. Genau dies ist auch mein Wunsch, gemeinsam mit meinem Partner anzupacken und anzufangen – frei von Ängsten, voll im Vertrauen.
    Dir-euch- alles Liebe
    Angelika

  2. Liebe Bewohner von „terra animam“,
    herzlichen Dank für den Bericht und die tollen Fotos von dir Yella und Christoph. Ich darf feststellen, ihr lebt meinen Traum!…. so bekomme auch ich wieder Hoffnung.
    Ich werde mich in nächster Zeit über das Familienlandsitzprojekt inormieren.
    Eine liebe Umarmung
    Ulla

  3. Auch in England steht ein sehr schönes Projekt:
    http://www.beingsomewhere.net/

    Es ist wünschenswert, dass sich unsere Vorstellungen für das Leben und Wohnen, wieder in Richtung der Verschmelzung mit der Natur bewegen.
    Solche Projekte sind in Deutschland zur Zeit kaum möglich, da der bürokratische Aufwand zu hoch ist.

  4. Liebe Yella, vielen herzlichen Dank für’s Teilen Deiner Erfahrungen,
    Du schreibst hervorragend und mir kam der Vorschlag, dass es gut wäre, ein Buch über Euer Projekt und all‘ die damit verbundenen Erlebnisse zu schreiben!!!
    Alles Gute für Euch!
    Elfi

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