Ein Kommentar

Der Mann, der zuviel schrieb

Hier ein sehr interessanter Beritrag in der Süddeutschen Zeitung.

bayern

29. Oktober 2013 09:27 Streit mit einer Behörde

Süddteutsche Zeitung

Ein promovierter Psychologe marschiert ins Münchner Kreisverwaltungsreferat und beantragt die bayerische Staatsangehörigkeit. Im Verlauf des folgenden Briefwechsels bezweifelt die Behörde seine geistige Gesundheit und will ihm den Führerschein abnehmen. Die Stadt lenkt erst ein, als eine andere Behörde eingreift.

Von Bernd Kastner

Dass der Führerschein in Gefahr ist, wenn einer betrunken oder allzu unsicher Auto fährt, das weiß man. Es kann ihn aber auch verlieren, wer beim Kreisverwaltungsreferat die bayerische Staatsbürgerschaft beantragt. Das hat Franz Felix Müller erfahren, nachdem er im Februar mit diesem, vorsichtig formuliert, ungewöhnlichen Anliegen im KVR erschienen war. Infolgedessen sollte er auf seine geistige Gesundheit untersucht werden. Müller, der in Wirklichkeit anders heißt, widersetzte sich, und es begann ein bizarres Ringen zwischen ihm und den Behörden. Das Agieren des KVR erinnert dabei an eine Fahrt in Schlangenlinien, die mit einem waghalsigen Wendemanöver beendet wurde.

Franz Müller, 47 Jahre alt, gebürtiger Münchner, Abiturnote 1,0, promovierter Diplom-Psychologe, angestellt bei einem Weltkonzern, ist ein Mann, der manches sehr genau nimmt, auch die Buchstaben des Gesetzes. So kommt es, dass er im Februar dieses Jahres seinen Personalausweis beim KVR abgibt. Er sei dazu gesetzlich verpflichtet, weil das Dokument falsch ausgestellt sei.

Im Personalausweisgesetz heißt es, dass der „Familienname“ vermerkt sein müsse, tatsächlich stehe dort aber nur der „Name“, darunter dann etwa „Müller“. Zudem beantragt er bei dieser Gelegenheit die „Staatsangehörigkeit Bayern“. Er bezweifelt nicht die Existenz der Bundesrepublik, jedoch ihre Souveränität, und nur ein souveräner Staat könne die Staatsangehörigkeit verleihen. Obendrein sei die „Staatsangehörigkeit deutsch“ eine Erfindung der Nazis, argumentiert er und verweist auf diverse Paragrafen.

Müller soll zum Psychiater – sonst ist sein Führerschein weg

Es passiert nichts. Erst auf Müllers Insistieren hin teilt das KVR mit, dass man am Personalausweis nichts zu ändern gedenke. Diese Antwort missfällt Müller noch mehr als das Schweigen. Er zitiert aus dem Buch eines ehemaligen Chefs des Militärischen Abschirmdienstes, der einst von Franz Josef Strauß die bayerische Staatsangehörigkeit verliehen bekommen haben will. Also müsse es diese Staatsangehörigkeit ja geben, sagt Müller. Und so weiter.

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Ein Kommentar zu “Der Mann, der zuviel schrieb

  1. Nachzulesen im Bundesgesetzblatt von 1976 Nr. 22 in Artikel 27 , ausgegeben am 22.04.1976 zu Bonn – hinterlegt im Bundesanzeiger, dort steht :
    Personalausweise
    Die Vertragsstaaten stellen jedem Staatenlosen, der sich in ihrem Hoheitsgebiet befindet und keinen gültigen Reiseausweis besitz, einen Personalausweis aus.

    Also Zwangsdeutsche ohne Staat, zurückzuführen auf eine Militäranordnung aus dem Jahre 1946.

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