Ein Kommentar

Schein ist nicht Sein

forest-66295_1280von Steven Black auf http://stevenblack.wordpress.com – Danke, Steven!

Es ist wirklich alles okay, mit den Worten oder dem Verstand. Die lineare Abfolge von Worten und Herangehensweisen ist wichtig, zumindest für viele Dinge der menschlichen Erfahrung. Wenn man beginnt, sich mit dem eigenen Bewusstsein zu beschäftigen und immer mehr von sich Selbst kennen lernt, dann erweitert dies auch den Verstand. Ihr wisst schon, Mindstretching ..

Doch je tiefer du da reingehst, desto schwieriger wird es für den Verstand. Sein lineares Verständnis hat Grenzen und manche Dinge kann er einfach nicht kapieren oder übersetzen. Viel davon wird er einfach leugnen: “HELL NO – this does not exist!”

Wir haben für Jahre diverse mentale Konzepte von eher multidimensionalem Verständnis angenommen und versucht, sie mehr oder weniger sinnhaltig zu interpretieren. Als da wären: Alles ist Liebe, Licht, Herzensenergien, Schicksal, Gott, Toleranz, Harmonie, Akzeptanz, Wahrheit, Dimensionen, Karma, Existenz, Ego, Identität, undsoweiterundsofort. Die Erfahrung zeigte, mentale Konzepte sind oft Missinterpretationen, Missverständnisse und weil man nicht dort ist, fehlt das wirkliche Verständnis.

Man ist in “Verschwörungstheorien” reingegangen und hat mit dem Finger auf all die vermeintlich bösen Leute gezeigt, die der Menschheit das Leben schwer machen. Fast jeder, der zumindest aus dem persönlichen “Dämmerzustand” der Unbewusstheit aufwachte, hat sich angesichts der gesellschaftlichen Missstände und dem Schmerz, dem einige in dieser menschlichen Erfahrung ausgesetzt sind, die Haare gerauft und sich nach einer “flauschigeren Gesellschaft” gesehnt.

Das ist normal und vermutlich kaum vermeidbar, wenn man beginnt die ersten Schritte in ein Neuland zu betreten. Völlig normal ist es auch, wenn sich das “strategische Selbst” mit Begeisterung eine Art “spirituelles Ego” bastelt, in Aussicht auf viele der wundervollen Dinge, die da bunt am Horizont glitzern. Schmerzfreiheit, rosarote Luftblasen voller Liebeswölkchen am Himmel, Gnadenerlässe ohne Ende, und nun ja, noch Tonnen mehr davon.

“Spirituell zu sein” ist kein Problem fürs “strategische Selbst”, im Gegenteil, es kann sich wunderbar damit identifizieren. Dieses zum “spirituellen Ego” werdende Selbst nützt grundsätzlich alle Formen der Kompensierung, um die existenziellen Lücken zu füllen, woraus es besteht. Es ist eine Überlebensressource und ein Verteidigungssystem, womit die menschlich limitierte Erfahrung, durch verschiedenste Persönlichkeitsanteile gelebt werden kann. Das “strategische Selbst” ist fähig, beliebige Persönlichkeiten zu erschaffen ..

Es kann sich auch ohne weiteres auf die nonduale Sichtweise einstimmen, kein Ich zu haben.  Diese “Nicht-Ich” Persönlichkeit wird dann enthusiastisch alle Begriffe, die damit zusammenhängen, aufsaugen und brav herunterleiern. Nichts ist falsch daran, runter kommen sie alle wieder. Man will den Bliss reiten, spielt mit Energien herum – it’s playtime, man lernt.

Ich wiederhole es gerne, es gibt kein Problem mit dem “strategischen Selbst”. Es diente uns allen für viele Jahre, wenn der Mensch soweit ist und sein Bewusstsein sich erweitert, dann nützt uns das “strategische Selbst” insofern, als es uns nämlich tiefer in die ganze Geschichte um das Bewusstsein reinschiebt. Ich nenne das gerne einen ausgelegten Köder, es frisst ihn samt Angel, Schnur und Haken. Es wird zum “spirituellen Ego”, selbstverliebt wie immer.

Es geht zu Seminaren, macht Gruppenerfahrungen, diskutiert, liest sämtlich verfügbare Literatur zum Thema und denkt allgemein, es ist etwas besonderes. Es versteht immer mehr, begreift und lernt. Irgendwann beginnt es den Wert von realer Transformation zu erkennen, weil es sich dadurch besser fühlt. Es ist wirklich nicht wahr, dass es keinen Gewinn für das “strategische Selbst” aka “MaskenEgo” in diesem Prozess gäbe. Den hat es schon, temporär, aber was es nicht merkt:

Je mehr seiner konditionierten Glaubensmuster und Ängste angesehen, transformiert und damit integriert wurden, je mehr seiner energetischen Blocken gelöst werden, desto mehr dringt hervor, was ich das “ewige Ich”, die weitaus authentischere Form eines Ich und wirkliche Kernpersönlichkeit bezeichnen möchte. Es bekommt immer mehr Raum, bringt das menschliche Ich dazu, sich ehrlicher, genauer und noch intensiver mit den “Schattenanteilen” auseinanderzusetzen. Die ganze Palette menschlicher Konditionierungen und Glaubensmuster, und an einem gewissen Punkt beginnt es dann haarig zu werden..

Irgendwann werden die beiden zu “kämpfen” beginnen. Okay, eigentlich kämpft nur einer, das “strategische Selbst”. Weil es befürchtet sterben zu müssen, es fürchtet, ohne Existenzdefinition zu sein. Oh, das “strategische Selbst” will schon authentischer werden, offener – nun ja, ein bisschen authentischer, etwas offener, etwas freier – man muss ja nicht gleich übertreiben, nicht? Es nimmt sich aus der “modernen Esoterik”, was ihm tauglich und flauschig erscheint, spielt etwas hiermit und damit herum.

Bei dem einen früher, bei anderen später, wird unweigerlich der Zeitpunkt kommen, wo aus der ganzen Geschichte Ernst wird. Es wird eine Entscheidung fällig, wie weit man sich auf sein “Erwachen” einlassen will. Und dies fordert durchaus seinen Tribut, ist unangenehm und wird einen etwas “zerwutzeln”.

Alles fängt mit Selbstverbesserung an, was etwas ist, das wir aufgrund der Erkennung und steten Veränderung falschen Verhaltens TUN. Die nächste Erweiterung ist Transformation, indem wir innere Einstellungen und Entscheidungsprozesse verändern und immer mehr davon begreifen, warum wir WAS tun und welche Auswirkungen es auf uns und andere hat. Man entfernt Blockaden, erlebt stufenweise Freiheit, lernt Energien zu spüren und damit umzugehen.

Die finale Phase wird mit dem bekannten Begriff der TRANSMUTATION beschrieben, wie er gerne von den Alchimisten verwendet wird. Es ist als der “Alchimistische Prozess” bekannt, die Verwandlung von Blei in Gold, der allerdings Jahre dauern kann. Was nicht unbedingt bedeutet, es gibt kein Ich mehr, sondern die Perspektive davon, was ICH ist, wird breiter und umfassender.

Du erlebt Momente, wo du denkt, ja, du hast es geschafft! But it’s not like that! Du bist lediglich EINER angenommenen Box deines Selbst entkommen und steckst schon mitten in der nächsten. Du meinst, du bist dem Wald entkommen, doch es waren nur einige Bäume.

Man lernt im Laufe der Transformation viele bunte Versionen seines Ich Selbstes kennen. Aus meiner Perspektive benützt das “authentische Ich” das “strategische Selbst” in der Form, indem es ihm eine riesige Karotte vor die Nase hängt, währenddessen jedoch im Laufe des Prozesses das “strategische Selbst” immer mehr dekonstruiert und verändert wird.

Es ist ein Ausräumen, Putzen und Ausmisten, du integrierst negative Erfahrungen, um diesen physischen Körper und seine Energiefelder soweit zu klären, damit er für die “höheren Anteile” deines Seins bewohnbar wird. Wer will schon in einem Saustall wohnen?

Die “trübe Linse”, durch die das “strategische Selbst” die Welt und sich selbst betrachtet hat, wird immer klarer und es wird im Laufe des Prozesses vieles aufgeben müssen, woran es – angeblich – so ungern gehangen hat. Es ist im Schock, wenn es begreift, dass das was es ausmacht, genau die Art von Schmerz, Leid, Selbstgerechtigkeit, Opferhaltung, etc. ist, wovon es sich doch der Spiritualität wegen zu befreien suchte. Und nein, DAS mag es überhaupt nicht.

Es bereitet ihm grundsätzlich Unbehagen, wenn seine Vorstellungen, wie etwas zu sein hat, nicht erfüllt werden.

Aus meinem eigenen Erleben heraus kann ich bestätigen, dass ich ne ganze Menge nicht davon mochte, wie sich die Dinge zeigten. Das fühlt sich ziemlich frustrierend an. Und es hat was von “Opfergängen”. Es kostete bisher einige “Reibestunden”, zwischen dem inneren Anteil, der genau weiß was zu tun ist, der die Straße kennt, die entlangzulaufen ist, und meinen konditionierten Persönlichkeitsanteilen des “strategischen Selbst”. Und da bin ich ganz bestimmt noch nicht durch, ich übe mich in Verantwortung für meinen inneren Raum, versuche möglichst bewusst zu sein und gehe einfach weiter.

Im Grunde sind viele Dinge und bisherige Annahmen auf den Kopf gestellt worden, die ich einstmals hatte. Werden irgendwelche Theorien bestätigt, dann ist das nett, aber nicht weiter wichtig. Diverse Vorstellungen sind durch Erfahrungen ersetzt worden, die mit den mentalen Konzepten und theoretischen Annahmen anderer Menschen nicht wirklich einhergehen. Nichts ist kostbarer wie die persönliche Erfahrung, denn dann weißt du, du bist dort gewesen.

Aber ich habe einen Geschmack von der authentischen Persönlichkeit gekostet, die nicht konditioniert ist und mich anschubst weiter zu machen. Also irgendwie find ich das lustig, ich verwende Worte, um Dingens jenseits von Worten zu beschreiben.

Wie auch immer man es benennt, es wird nicht ganz korrekt sein. Nun ja, ich verwende den Begriff des authentischen Ich, weil es sich wie eine Form von Identität anfühlt, aber nicht mit den üblichen Begriffen von Ich beschreibbar ist. Es wartet nicht auf ein “besseres Morgen”, denn es weiß, er ist bereits hier. Man bekommt diesen “besseren Morgen” grundsätzlich IN und durch sich SELBST, right NOW, right here .

Aus der Perspektive jenes Selbst ist die Welt zwar nicht in Ordnung, aber es hat kein Thema damit. Im Gegenteil, es weiß, es kann gar nicht anders sein. Da eine Mehrheit von Menschen sich in Lernresistenz üben und dieselbe Erfahrung in verschiedenen Varianten wiederholen, braucht es auch jemanden, oder Situationen, die solche Erfahrungen ermöglichen. Für diejenigen Menschen, die sich grade in schwierigen Situationen befinden, mag das hart klingen, es ist dennoch immer wieder eine Möglichkeit, sich darüber zu erheben, durchzugehen und zu lernen.

Das ErdenDasein ist eine Schulung, und die ist meist ziemlich hart. Aber wir sind fähig zu lernen, Weisheit und Verständnis zu akkumulieren. Man geht in eine Erfahrung rein, macht womöglich einige Extrarunden, und dann geht man durch.

Meine diversen Erwartungen in diesem Prozess sind ziemlich gegen Null gegangen. Nichts ist, wie es scheint, also lasse ich mich überraschen. Meine inneren Kinder lieben ja Überraschungen ..

Foto: www.pixabay.com

Ein Kommentar zu “Schein ist nicht Sein

  1. Lieber Steven,

    vielen Dank. Das ist ein ganz wunderbarer Artikel, der viele Wahrnehmungen und Stationen auf der Reise zu uns selbst genau spiegelt und auf den Punkt bringt.

    Gehen wir einfach bewusst und aufmerksam weiter. Das Leben kennt den Weg.

    Sven

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