Ein Kommentar

Die sich ausbreitende Alchemie des Zentralbank-Gelddruckens

Hier ist ein Artikel von Neil Macdonald, an dem man in der vergangenen Woche fast nicht vorbeikam, wenn man die einschlägigen Blogs verfolgt hat. Die Alchemie des Gelddruckens ….

 

Geld für umsonst und Aufschwung gratis? Die Richtungsänderung der US-Wirtschaft zieht die EU mit in die Grube

Von Neil Macdonald, CBC News, Posted: 28. Januar 2015, 5:00 AM ET Letzter Update: 29. Januar 2015 1:12 PM ET

Übersetzung: patrizia

http://www.cbc.ca/news/world/the-spreading-alchemy-of-central-bank-money-printing-1.2933964

 

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Vor zwei Jahren saß ich in der gedämpften Festung der Bank of England und lauschte einem ihrer heimlichtuerischen Wissenschaftler, einem trägen Typen namens Paul Fisher, der die Erschaffung und Bedeutung von Geld erklärte.

Er langte in seine Brieftasche und fischte eine 10-Pfund-Note heraus.

Dieser Schein ist 10 Pfund wert, sagte er, weil Sie und ich und all die Menschen auf der Straße draußen glauben, daß sie 10 Pfund wert sei.

Das ist es. Das ist der einzige Grund, warum Geld jenseits allem eigentlichen Papier- und Tintenwert noch irgendeinen Wert hat. Es geht einzig und allein um Vertrauen und Glauben.

Vergessen Sie jegliche Vorstellung, die Sie von jedem Pfund oder jedem Dollar haben, daß dieses Geld durch das ganze Kapital der Wirtschaft da draußen gedeckt sei.

Der Goldstandard war bereits zu der Zeit ein Mythos, als er in den Siebzigern aufgegeben wurde. Es gab niemals genug Gold, um all die zirkulierenden amerikanischen Dollar zu decken.

Also hat Geld den Wert, den es hat, nur weil wir weiterhin daran glauben, erklärte Fisher, und jede Zentralbank kann mehr davon drucken ohne daß der Wert sinkt, solange jeder auf diesen Wert vertraut und dies umsichtig von klugen Leuten geregelt wird, das heißt von Zentralbankern, die nicht gewählt sind und ihre Entscheidungen im Verborgenen treffen.

Es war eine schwindelerregende Lektion entgegen jeglicher Intuition.

 

Ein paar Monate zuvor vertrat der Chef von Deutschlands Zentralbank, Jens Weidmann, eine andere Auffassung von Geld, eine, die mehr meiner protestantischen Sichtweise entsprach.

Er begann ähnlich wie Fisher, indem er rhetorisch fragte, was Geld sei, und beantwortete dann seine eigene Frage: „Geld ist das, was Geldfunktionen erfüllt.“

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Er zitierte dann Goethes Faust, möglicherweise das führende Werk nach deutschen Maßstäben.

Im zweiten Teil der Fabel jammert der Kaiser über seinen ständigen Bedarf nach mehr Gold, und Mephisto, der Teufel, rät ihm, daß er lediglich ein Papier zu unterzeichnen brauche, das er Geld nennen solle, was ein jeder dann akzeptieren würde, und alle seine Probleme wären gelöst.

Der korrupte Kaiser und seine Höflinge fuhren damit fort, beglückt über die vermeintliche Wohltat zu sein, eine Goethe-Strophe, die Weidmann zitierte.

Irgendwann verschwindet der Teufel und sie realisieren, daß die Währung wertlos ist. Die Währung des Teufels, teilte Weidmann den Zuhörern mit, führe zur Inflation.

 

Stoppt nicht die Druckerpressen

Weidmanns Lektion: Geld zu drucken setzt tatsächlich den Wert herab; es ist Alchemie, die Erschaffung von Wert aus dem Nichts, unwürdig und unverantwortlich.

Als ich Fisher interviewte, war der englische Zentralbanker gerade dabei, die Causa für das Quantitative Easing-Programm für die Bank of England zu machen, was schließlich dazu führte, 375 Milliarden Pfund aus dem Nichts zu drucken, um diese dafür zu benutzen, Staatsanleihen zu kaufen, die bereits im Umlauf sind – eine indirekte Maßnahme, dem Staat Geld zu leihen.

Die US-Federal Reserve tat das gleiche, aber in einem weitaus größeren Maßstab. Sie druckte irgendwann 4,5 Trillionen Dollar, eine unfassbare Summe, bis sie damit im Oktober aufhörte.

Das Ziel war, die Zinsraten auf Staatsanleihen niedrig zu halten um Investoren zu riskanteren Wagnissen zu verleiten und damit die schwache Wirtschaft anzukurbeln in einen rechten Kreislauf von Leihen und Ausgeben.

Der Plan war, eine Wette abzuschließen, wo die Grenzen des öffentlichen Vertrauens in die Währung lägen, und dies führte die Vereinigten Staaten und Britannien in unbekannte Gefilde.

Bild 78In Europa jedoch setzt sich Deutschlands Sicht durch, und die Europäische Zentralbank weigert sich, den amerikanischen und britischen Beispielen zu folgen (bis jetzt).

Nach dem großen Zusammenbruch von 2008 wurden nicht mehr Euros gedruckt. Die deutsche Vision von Sparprogrammen und Sparpaketen wurde stattdessen den schwächeren umliegenden Euro-Ländern aufgezwungen: Spanien, Italien und Griechenland waren angehalten, ihre Ausgaben zu senken und die Gürtel enger zu schnallen zugunsten des Aufschwungs.

Nun, zwei Jahre später scheint es so auszusehen, als ob der gute alte Mephisto sich der Sache bereits angenommen habe.

Hier in Washington versuchen sogar die Republikaner, die eine etwas mehr deutsche Perspektive angenommen hatten und gegen das Gelddrucken der Fed waren, sich den Verdienst anzurechnen für den bemerkenswerten Aufschwung, der sich nun anbahnt.

Die Erwerbslosigkeit hier in den Vereinigten Staaten fiel auf 5,6 Prozent. Das ist nahezu Vollbeschäftigung. Die Staatseinkünfte steigen und das Staatsdefizit schrumpft.

In Großbritannien rechnet sich der gleiche Paul Fisher, der mich in die vergängliche Natur des Geldes einweihte, freudig den Verdienst für den dortigen Aufschwung an.

„Zweifellos hätten sich die Dinge schlechter entwickelt, wenn wir uns hätten unterkriegen lassen“, sagte Fisher der Independant-Zeitung letzten Sommer.

 

Blind einer Ideologie vertrauen / Man reiche mir Kool Aid

Die Zentralbanker der Europäischen Union haben zwischenzeitlich festgestellt, daß der Kurs, den sie wählten, die Not nur verlängert hat.

Die Erwerbslosigkeit liegt in Italien immer noch bei 13 Prozent, bei 25 Prozent in Spanien und bei 26 Prozent in Griechenland.

Schlimmer noch, das europäische Festland könnte auf eine Deflation zusteuern – eine abwärts gerichtete Preisspirale – etwas, das die Regierungen zu Tode erschreckt und was sich sogar der Kontrolle des mächtigen Instrumentariums der Zentralbanken entzieht.

Also, mit Deutschlands widerwilliger Zustimmung hat die Europäische Zentralbank damit begonnen, die Druckerpressen Tag und Nacht anzuwerfen; mit der Absicht eine Trillion Euro innerhalb des kommenden Jahres zu drucken und das meiste davon Regierungen zu leihen, so gut wie zinsfrei.

Das ist möglicherweise eine gute Idee. Wir werden sehen.

Das schlussendliche Urteil steht noch aus in den Vereinigten Staaten und in Britannien. Ohne Frage verzerrt das ganze Gelddrucken die Finanzmärkte, was die Investoren wiederum zwingt, Dinge zu tun, die sie sonst nicht tun würden, wie zum Beispiel Aktienkurse in schwindelerregende Höhen zu treiben.

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Und die Zentralbanken müssen irgendwann damit anfangen, ihre Geldmenge zu verringern, was wiederum die Zinsraten steigen lassen wird, was dann von Unternehmen und Konsumenten, die am billigen Geld hängen, in nächster Zeit schwer zu verkraften wäre.

Die Bank of Canada ist in der Tat so besorgt über Kanadas Konjunkturflaute, daß sie gerade ihre Referenz-Zinsrate weiter herabgesetzt hat. Wenn das nichts hilft, müsse man ebenfalls über eine Runde Gelddrucken nachdenken.

 

Aber ich kann die Lektion von Paul Fisher nicht vergessen. Einen Geldschein herumzuschwenken und zu sagen, daß dieser nur etwas wert sei, solange sich alle darauf verständigen, daß dem so ist.

Mit anderen Worten: es ist ein Schwindel. Welchen Reichtum glauben Sie morgen noch zu haben, wenn dies von den Wetten jener abhängt, die zwar nicht gewählt wurden, aber sehr geschickt agieren und für die Erschaffung von Geld verantwortlich sind.

Es ist alles echt, es sei denn, es ist nicht alles echt. Der Mangel an Beweisen ist nicht Beweis für den Mangel.

Geld hat Wert, oder auch nicht. Ich denke nicht, daß ich je eine klare Antwort haben will.

Ein Kommentar zu “Die sich ausbreitende Alchemie des Zentralbank-Gelddruckens

  1. Es solte für einen Staat (Wenn es noch einen gibt )nur
    soviel Geld im Umlauf sein wie seine Wirtschaft erwirt-
    schaftet.

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