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Die Worte der Rose

roses-56702_640Quelle: http://wortmalereien.com

Eines Tages ging ich hinaus, um die edle Schönheit einer Rose zu betrachten, die in meinem Garten wuchs. Sorgenvolle Gedanken hatten mir das Herz verengt, und ich suchte nach Linderung. Also beobachtete ich, wie die Rose ihre zarten Blütenblätter dem Sonnenlicht öffnete und bei Einbruch der Dunkelheit wieder verschloss. Glitzernde Regentropfen perlten an ihr ab und flossen den Stiel entlang zu ihren Wurzeln, um ihren Durst zu stillen. Winzige Insekten krabbelten über sie hinweg, und gelegentlich knickte der Wind eines ihrer Blätter. In ihrer gleichmütigen, strahlenden Schönheit gab sich die Rose den Elementen hin und schien sich nicht daran zu stören, was gestern war und morgen sein würde. Sie nahm es hin, wenn der Wind an ihren Blütenblättern riss oder der Mehltau an ihr fraß. Empfing die Geschenke des Moments und schien unberührt vom Getöse der Welt um sie herum.

„Hast du denn keine Wünsche?“, fragte ich sie. „Gibt es nichts, das du willst, keine Veränderung, die du herbeisehnst? Wie kannst du frei vom Wollen sein, wie kannst du nicht auf die Sonne hoffen, wenn der kalte Herbststurm über dich hinwegfegt?“

Die Rose schien zu lächeln und erwiderte: „Was willst du schon tun, um die Welt oder das Leben zu verändern, wenn das Leben selbst die Veränderung ist. Es wandelt sich in jedem Augenblick und mit jedem einzelnen Atemzug, den du tust. Es pulsiert seit Jahrmillionen und wird immer weiter pulsieren. Wohl nimmst du mit deinem Denken und Handeln Einfluss auf die Welt, und doch bist es nicht du, der etwas verändert. Es ist das Leben selbst, das sich durch dich ausdrückt und durch dich wirkt – ganz einfach dadurch, dass es dich zu dem geformt hat, der du bist.

Aus diesem Grund bin ich Rose, mit all der Kraft, die mir innewohnt und ungeachtet des Sturmes, der Sonne oder des Frostes, die mich umspielen. Ich verströme meinen Duft, öffne mein Innerstes dem Sonnenlicht und speise den Garten mit meiner Schönheit. Doch ich tue dies nicht, weil ich hoffe, dass ein Spaziergänger stehenbleibt, um mich zu bewundern. Ich tue es auch nicht, um die Welt zu verändern. Ich tue es, weil ich eine Rose bin und der einzige Grund, warum ich hier bin, jener ist, das Leben sich durch mich ausdrücken zu lassen – als Rose. Im Grunde bin ich weder schön noch hässlich, weder böse noch gut. Ich bin einfach nur das, wozu mich das Leben erschaffen hat. Oder bin ich böse, weil meine Dornen dich verletzen könnten?

Und so verströme ich meinen Duft und empfange freigiebig die Bienen, die mich besuchen kommen. Ich verschließe mich, wenn die Nachtkühle aufzuziehen beginnt und lasse die Morgensonne sich in den Tautropfen spiegeln, die an meinen Blättern hängen. Ich frage nicht danach, was mir das einbringt. Welchen Sinn hätte das?

Eines Tages werde ich gehen, so wie ich gekommen bin. Ich werde gehen in der Gewissheit, das gewesen zu sein, wozu ich geboren war: eine Rose.

Geh hinaus und sei du selbst. Verströme dich, ohne zu fragen, was du dafür bekommst oder ob du damit die Welt veränderst. Sei echt, mit all deinen Schattierungen von Dunkelheit und Licht. Dann bist du das sich stetig wandelnde Leben selbst.“

www.wortmalereien.com

Foto: www.pixabay.com

4 Kommentare zu “Die Worte der Rose

  1. Ich las gerade „Die Worte der Rose“ und……………………………….ich bin total gerührt, meine Tränen fließen ………….doch ich fühle mich irgendwie erleichtert.
    Eine Entspannung und Ruhe legt sich über mich. Ich denke nur:
    „Eines Tages werde ich gehen, so wie ich gekommen bin. Ich werde gehen in der Gewissheit, das gewesen zu sein, wozu ich geboren war: eine Rose.“
    Sehr oft und immer, immer wieder, seid ich begann wahr zu nehmen, bin ich rausgegangen ohne zu fragen was ich bekomme, bin gegangen um mich zu zeigen mit Freude, Liebe, Zuversicht und Sonne im Herzen. Doch leider wurde meinem SOSEIN schon von der eigenen Mutter, dann auch von den Geschwistern sehr starke Abneigung entgegengebracht – als letztes Verstoß aus der Familie.
    GOTT SEI DANk wurde ich zu Euch geleitet ……………………
    Seid dem habe ich kein großes Vertrauen mehr in Menschen. Für mich sind meine Tiere der beweis das ich ohne mich verändern zu müssen glücklich sein kann. Nur wie kann ich den Verstoß aus der Familie, den Anscheinend meine Mutter initiiert hat verarbeiten??
    Wie komme ich aus aus dieser Traurigkeit heraus die mich immer mal wieder heimsucht wenn ich an meine Familie denke?
    Ja, ich habe schon sehr viel deswegen geweint. Jedesmal geht es mir besser wenn ich zu meinen Tieren raus auf meinen Hof gehe. Dort finde ich im wahrsten Sinne des Wortes Trost. Meine Hunde kommen an und geben mir ihre Zuneigung das tröstet mich. Doch nach einer gewissen Zeit sammelt sich wieder soviel Traurigkeit an das ich dasitze und weine.
    Ich bin am glücklichsten bei meinen Tieren, beim Fahrrad fahren mit meinen Hunden, meinen wunderschönen Rosen und anderen Blumen, den riesigen uralten Bäumen um das Grundstück herum – ich weiß sie alle mögen mich wie ich bin.
    NAMASTE liona

    • Liebe Liona, danke für Deine offenen Zeilen, in denen, wie ich glaube, bereits die Antwort auf Deine Fragen liegt. Du findest Heilung in Deiner tiefen Verbindung zur Natur und darin, dass Du Deinen Schmerz immer wiederkommen und dasein lässt, indem Du ihn betrachtest und er durch Deine Tränen abfließen kann. Heilung ist nichts anderes als das Sich-Bewusst-Werden der Vollständigkeit, der Ganzheit, der Unversehrtheit Deines Wesens. Der Ausstoß aus der Familie fordert uns in besonderem Maße dazu heraus, in uns selbst die Liebe zu finden, die wir immer bei anderen finden wollten – in unserer Verbundenheit mit allem was ist. Dazu gehört auch, den Schmerz, die Traurigkeit und das Gefühl des Alleinseins bewusst erlebt und somit alle Anteile wieder integriert zu haben, die wir aus diesem Schmerz heraus irgendwann einmal von uns abgespalten haben. Dabei können wir getrost jede Vorstellung von einem Zeitraum, innerhalb dessen diese Heilung geschehen ’soll‘, loslassen. Es geschieht dann, wenn die Seele dazu bereit ist. Gib nur einfach Dein bewusstes JA zu allem, was da gerade in Dir ist, erlebt und gefühlt werden möchte. Ich wünsche Dir von Herzen alles Liebe und Gute. Andrea, WortMalerin

  2. Danke für dieses schöne Gedicht, es tut mir gerade jetzt sehr gut und macht mir Mut.

  3. Wir haben auch wunderschöne Rosen im Garten,
    Sie sind in diesem Jahr so hoch gewachsen-mehr wie andere in den Jahren zuvor.
    Mich fasziniert auch die Gelassenheit der Blumen,Pflanzen,Bäume-die
    ganze Natur…alles nimmt seinen Lauf.
    Selbst von den Pflanzen können wir lernen zu lieben-Selbstliebe
    stillerheld

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