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Spiegelspiele

Günter1Quelle: http://wortmalereien.com

Spiegelspiele

Vielen Menschen scheint es derzeit ähnlich zu gehen: Während einst Beständigkeit und Stabilität selbstverständliche Zeiterscheinungen zu sein schienen und Veränderungen sich oft nur sehr schwerfällig und allmählich vollzogen, gibt es heute gefühlt nur mehr Weniges, das über längere Zeiträume hinweg gleich bleibt. Gerade dem bewussten, achtsamen Menschen bietet jeder Tag unzählige Möglichkeiten, etwas Altes, Undienliches loszulassen und neue Ufer und Horizonte zu erforschen. Die Geschwindigkeit, mit der sogenannte ‚Themen‘ sich zeigen und wieder gehen, scheint sich ab einem gewissen Punkt exponentiell zu erhöhen, und die Wiederkehr der noch nicht verinnerlichten Lektionen erfolgt in immer rascheren Abfolgen.

In diesem Prozess erkennen viele mittlerweile sehr klar die unzähligen kleinen und großen Spiegelungen, welche unsere noch unentdeckten oder unheilen Bewusstseinsaspekte im Außen produzieren. Die intensivsten Erfahrungen machen wir dabei oft mit unseren Liebsten, den Partnern und Kindern, gerne auch mit Arbeitskollegen und Vorgesetzten – wunderbare Protagonisten für Spiegelspiele jeglicher Art! Es ist nichts Neues, dass gerade die ungenährten, ungesehenen, ungelebten oder verletzten Kindesanteile in uns selbst es sind, die unser Denken, Fühlen und Handeln aus dem Dunkel der Verdrängung heraus am stärksten manipulieren, wenn wir uns ihrer nicht bewusst sind. Unsere Spiegelpartner führen uns dabei manchmal in ihrem Verhalten genau das vor Augen oder triggern bei uns genau jene Emotionen an, die wir – meist aus der Not heraus – irgendwann unterdrücken und abspalten mussten, um uns zu schützen oder gar überleben zu können.

Zugegebenermaßen kann eine Spiegelkonstellation gelegentlich recht knifflig und nicht auf den ersten Blick entschlüsselbar scheinen. Gerade in brodelnden zwischenmenschlichen Kisten lohnt es sich jedoch immer, auch mal die Schleife vom Gegenüber zu sich selbst zurück zu ziehen und hineinzuspüren, wo die intensive Emotion tatsächlich herkommt, die uns da gerade das Leben schwer macht und warum wir mit dem Verhalten des Anderen gerade so stark in Resonanz gehen. Die Spiegelspielvariationen sind sehr facettenreich und darum so interessant.

Glücklicherweise erleben wir nun eine Zeitqualität, die es uns immer einfacher macht, diese Anteile (blinde Passagiere unseres Bewusstseins) als Spiegelungen in unserem alltäglichen Leben deutlicher zu erkennen. Dies ist die Innenschau, die sich gleichzeitig aufmerksam den Reflexionen widmet – den angenehmen und den unangenehmen – mit denen wir unser Leben gestalten. Für die sprichwörtliche Reise zu uns selbst stehen mittlerweile so viele ‚Werkzeuge‘ der Bewusstseinsarbeit zur Verfügung, dass quasi für jeden Typ und Geschmack etwas dabei ist.

Zudem ist das Leben durch das Gesetz der Anziehung und Resonanz perfekt orchestriert, sodass wir auf dieser Reise viele Gelegenheiten bekommen, um jedes erdenkliche Winkelchen unserer Seele auszuleuchten. Keine Erfahrungsqualität wird vergessen, kein Teilaspekt des Ganzen kann verlorengehen. Einzig das wachsame, möglichst neutrale Auge des Beobachters ist gefragt. Die Schatten zeigen sich jetzt unweigerlich dem Licht und die unbewussten Muster wiederholen sich so lange, bis wir die selbstgemachten Projektionen erkennen, ihrem Ursprung endlich auf den Grund gehen und den Widerstand dagegen aufgeben, dass dieser Ursprung meist in uns selbst liegt.

Sobald wir an den Punkt gelangt sind, die Reflexionen unserer Schattenanteile (und natürlich auch der lichten) im Außen zu erkennen und die volle Verantwortung für die Qualität unserer Erfahrungen zu übernehmen, können wir beginnen, konstruktiv mit unseren verschütteten Anteilen zu arbeiten und sie aus ihrem Schattendasein zu erlösen. Über die Zeit harmonisiert sich dann unser Umfeld (Geduld…) und wir entwickeln die emotionale Stabilität und Reife eines Menschen, der in der Interaktion mit Anderen den gelegentlich notwendigen, klärenden Effekt von Spiegelspielen durchaus zu schätzen weiß – selbst wenn sie manchmal unangenehmer Natur sind.

In diesem und auch in jedem anderen Sinne wünsche ich Euch und uns allen eine harmonisierende und aufschlussreiche Zeit!

DSCN2285_PH_RT_klDie WortMalerin

www.wortmalereien.com

Titelbild: „Wooden Gymnast“, Gunter Lorenz 2009

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