5 Kommentare

Arbeiten ohne Leben oder doch lieber Leben ohne Arbeit?

Hier ein sehr interessanter, zeitgemäßer Beitrag von Richard gefunden auf
http://www.transform-magazin.de

Hinweis: Auf der O.g. Webseite gibt es einen sehr interessanten Gedankenaustausch unter den Lesern, der genauso spannend ist wie der Artikel selbst.
Crae´dor

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Haben wir eigentlich das Recht zum Nichtstun?

Geschrieben von Richard am 17. Dezember 2014

Wie das denn gehe, ohne Arbeit zu leben? Das fragen sich erstaunlicherweise sehr wenige Menschen. Dabei haben uns unsere vermeintlich fleißigen Vorfahren mehr als nur Gehorsamkeit, Disziplin und Pünktlichkeit mit auf den Weg gegeben.

„Kein Mensch muß müssen! Man ist niemandem in der Welt etwas schuldig, als sich selber.“
Gotthold Ephraim Lessing (1729-81)

Viele bedeutsame Denker und Wissenschaftler sind durch Ruhe und ein ausgeglichenes Leben zu großen Leistungen gekommen. Hart arbeitende Menschen findet man dagegen eher im Bergwerk oder im Büro.

Doch die Idee, dass harte Arbeit gut ist, hält sich hartnäckig. Nicht nur das Märchen „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ verknüpft tugendhaftes Ackern mit dem Traum vom Leben in Reichtum. Auch und gerade unser deutscher Geist würdigt vor allem den grenzenlosen Fleiß und die Verantwortung gegenüber dem Rest der Gesellschaft. Wir zeigen daher Respekt vor harter Arbeit und nutzen diese sogar zur Profilierung in unserem Umfeld.

„Habe gestern wieder bis um 11 im Büro geschuftet!“
Fiktiver Büro-Arbeiter

 

Manche produzieren Waffen,
andere ruinieren unsere Umwelt.

Doch ist diese Arbeit wirklich gut? Nicht nur das Zeitphänomen „Burnout“ spricht dagegen. Wer verbessert durch seine Arbeit das Leben in der Gesellschaft denn wirklich? Viele produzieren nutzlose Ware, verkaufen ungesunde Nahrung oder schaffen geschmacklose Unterhaltung. Manche produzieren Waffen, andere ruinieren unsere Umwelt. Sie alle mögen hart arbeiten. Und sie bekommen Respekt. Doch ich habe sie nie um diese Leistung gebeten. Es gibt viel Arbeit, die besser nicht gemacht werden würde.

 

Die Utopie der Arbeit

Selbst die Kommunistische Bewegung, träumend von einer Gesellschaft ohne Geld, tatsächlich aber lebend in einer Gesellschaft voller Zwang und Kontrolle, stellt sich nicht gegen die Arbeitsdoktrin. Während die kapitalistische Gesellschaft in der Arbeit vor allem eine Funktion zur Wohlstandsschaffung sieht, wird Arbeit in der linken Welt als banales Recht angesehen. So stellen sich selbst heute noch linke Politiker vor die Massen und versprechen Vollbeschäftigung.

Doch was ist mit unserem Leben seit der unsäglichen Industrialisierung geschehen? Jenes Zeitalter, welches uns von Arbeit entfremdet, das Kapital in Form von Maschinen leichter sammel- und kontrollierbar machte und die systematische Zerstörung der Umwelt eingeleitet hat? Die Automatisierung der Arbeit schreitet auch heute noch weiter voran. Sie brachte uns neben allen Unsäglichkeiten immerhin auch einen gewissen Komfort, ersparte uns viele Handgriffe. Und hätte uns eigentlich mehr Zeit zum Leben schenken sollen.

Doch der Plan von Ingenieuren und Konsumenten ging bis heute nicht auf. Statt mehr Zeit zum Leben begann der Kampf gegen die Effizienz der Maschinen. Nachtschichten raubten vielen den Schlaf und die Durchdringung mit blitzschneller Kommunikation gibt den anderen den Rest. Und das, während bezahlte Erholungsangebote sich als Triebfeder der Selbstausbeutung entpuppen.

Wir leben heute in einer Welt mit riesiger Arbeitslosigkeit. In unserer hochentwickelten Gesellschaft der Eurozone haben im Durchschnitt 10% der Menschen keine Arbeit – so die „offiziellen Zahlen“. Sie sind die Abgehängten. Sie sind abgehängt von „billigeren“ Arbeitskräften in anderen Teilen der Welt oder durch hochmotivierte, gestresste Mitmenschen, die vor Arbeit gar nicht mehr zum Leben kommen.

 

Nicht arbeiten heißt nicht, passiv zu sein

Um aus diesem Kreislauf auszubrechen, müssen wir lernen, nicht mehr zu arbeiten. Wir können warten auf den Kommunismus, das bedingungslose Grundeinkommen oder Roboter. Wahrscheinlich ist, dass uns nichts davon helfen wird.

Weniger Konsum bedeutet mehr
Verantwortung für sich selbst.

Dabei gibt es in unserer Gesellschaft, die freier ist, als manche glauben, bereits zahllose Möglichkeiten. Alles hängt von uns selbst ab. Je weniger wir konsumieren, desto weniger brauchen wir etwas in zweierlei Hinsicht: weniger Konsum heißt weniger Bedarf an Geld. Und: Weniger Konsum bedeutet mehr Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Wir schulden niemandem etwas, wenn wir nichts von jemandem brauchen.

Wenn wir selbst unser Brot backen, muss der Bäcker nicht mehr um 5 Uhr morgens zur Arbeit. Und wenn wir ein gutes Buch lesen, müssen die Menschen in Hollywood keine trashigen Filme mehr produzieren. Wenn wir laufen oder Fahrradfahren können wir unsere Zeit wirklich genießen. Und es gäbe keinen Grund mehr für zahllose militärische Konflikte, den Raubbau an der Natur und fürchterliche Arbeit in weniger entwickelten Gegenden der Erde, um uns Kisten aus Stahl, Kupfer und Alu zu bauen und Treibstoff dafür aufzutreiben. Alles stark vereinfacht – aber wir müssen schon alle einzeln unseren Teil dazu beitragen.

Viele profitieren von der Hilfsbereitschaft anderer Menschen. Denjenigen, die unsere Alten pflegen, sich um die Kinder kümmern oder Dinge produzieren, die wir tatsächlich brauchen. Doch warum tun sie das? Bestimmt nicht, weil sie sich selbst bereichern wollen, weil sie nicht mehr aufhören können, zu arbeiten. Sie strafen die PR-Abteilungen vieler Konzerne lügen, die von einem „Engagement für die Gesellschaft“ sprechen, sich stattdessen vor allem um ihren shareholder-value kümmern. Es gibt viele Menschen die arbeiten müssen, nur um den Schaden durch dieses sogenannte Engagement wieder auszubügeln.

Arbeit muss auch nicht gleich Arbeit sein. Wenn wir Spaß und Erfüllung in etwas finden und darüber hinaus ein ausgeglichenes Leben führen können – was ist dann eigentlich schlecht an dieser Arbeit? Rein Garnichts, denn streng genommen ist es dann eben keine mehr.

Richard

Autor

Richard hat jahrelange Erfahrung in der Werbebranche, ist aber gleichzeitig Werbekritiker. Er ist Herausgeber des transform Magazins.

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Sofern nicht anders gekennzeichnet, unterliegen alle Texte der CC-BY-SA-NC 4.0 Lizenz. Das bedeutet: die Texte gehören der Gemeinschaft und dürfen wiederverwendet werden – und zwar unter folgenden Bedingungen: Namensnennung (Autor*in, transform) und Bescheidgeben, Wiederveröffentlichung unter gleicher Lizenz und Ausschluss kommerzieller Verwendung.
http://www.transform-magazin.de/rechte-privatsphaere/

 

5 Kommentare zu “Arbeiten ohne Leben oder doch lieber Leben ohne Arbeit?

  1. Lieber Gott gib mir die Kraft, das ich in der Lage bin, die wichtigen Dinge/Taten erkenne und ich sie von den unwichtigen Dinge/Taten unterscheiden kann.
    Es gibt so viel Arbeit auf der Erde. Der Punkt ist, das nicht für jede notwendige Arbeit das Geld da ist. Es nicht für wahrhaftige Dinge /Taten ausgegeben wird. Schlichtweg in dieser Raubgesellschaft zählt nur die private Bereicherung. Ich schreibe seit 2006 an einer Fantasiegeschichte in dem ich einfach das Geld abgeschafft habe. Beim schreiben viel mir auf, für wieviel Elend dieses verdammte Drecks Geld verantwortlich ist. Mein Buch : Pitje Clearwater und das Kaaradin …. hat mir klar gemacht, das diese unsere Welt, so keine 100 Jahre mehr existieren wird/ existieren kann. Das heißt, die Erde schon, nur wir, der Parasit wird von ihr abgeschüttelt. 900 Seiten meines Buches sollten den Menschen klar machen, in welch Aussichtsloser Situation sie stecken. Beim schreiben sagte meine Familie, meine Güte schreib doch nicht so negativ. Da wusste ich noch nichts von der Wirklichkeit. Ich sage euch, die Wirklichkeit ist noch viel schlimmer und daran ist ausschließlich das Geld bzw. die Zinsen schuld. Wer das nicht glaubt, oder denkt, wie sollte es denn sonst gehen, dem sage ich: Du bist noch nicht genügend aufgeklärt, noch zu sehr in einer Wirklichkeit gefangen, die einfach nur eine Fiktion, eine Scheinwelt ist. Selbst die einfachste Arztserie manipuliert. Du denkst, wie das denn? Nun ich sage doch, du bist einfach nicht genügend informiert. Es ist müßig darüber zu diskutieren, für den Wissensstand ist jeder selbst verantwortlich. Aber ich sage, es ist cool dies ( Alles ) zu durchschauen. Es ist cool die Lügen zu erkennen und für sich selbst das Richtige tun zu können. Habt keine Angst davor, wir werden immer mehr. Ich grüße euch! Mensch Klaus

  2. Mich ärgert die Wortwahl und ich nenne das BLÖD
    GEQUATSCHE. Warum? Ganz einfach: Es gibt nicht nur das eine, oder das andere, schwarz oder weiß.

    Wie wäre es mit dem MITTELWEG?

    • Lieber Kurt,
      mit Deiner Benennung disqualifizerst Du Dich selbst, und das hast Du wahrscheinlich im Nachhinein schon bemerkt. Macht nix.

      Klar hat der Autor das Wort „Arbeit“ etwas schludrig verwendet. Meistens ist es die „Erwerbsquelle“, die die schlechten Auswirkungen hat. Arbeit an sich ist nichts schlechtes, es gibt sogar einen Philosophen, der sie als „sichtbar gemachte Liebe“ sieht.

      Doch ich glaube, der Autor ist einfach ein weiteres Opfer unser schnellebigen Zeit und vor allem des in den Medien verwendeten „Neusprech“. Mit dessen Hilfe werden Bedeutungen von Worten verdreht und so die Worte dann mißbraucht, so daß „Arbeitnehmer“ sich sogar latent als bedürftig betrachten, obwohl doch sie es sind, die die ganze Arbeit leisten/geben! Der sogenannte „Arbeitgeber“ könnte ohne die Arbeit seiner Angestellten gar nicht existieren.

      In Liebe
      Susanne

      • Liebe Susanne, auch hier, bei deinem Vorverurteilen, kann ich nur zur Erwähnung bringen, dass der „MITTELWEG“ … immer der Bessere und Gerechtere ist. Denk über deine Wortwahl nach. Kurt

      • Werte Damen Susanne – ich Danke Dir für Deinen Beitrag.
        Ich kann nicht Deinen ganzen Geist an den wenigen Worten erfassen, doch Du hast eine wichtige Essenz dieser vergangen 100 Jahre erfasst. Worte = Schöpfungsebene nach dem Denken – Am Anfang war das WORT und das WORT war bei GOTT – nicht korrekt.
        Am Anfang war der Gedanke und der Gedanke war bei allen – dann erst kam das Wort und der Traum der Trennung und der Zeit begann.

        Wenn Worte – vor allem im Deutschen, den der germanische Wortschatz ist ein mächtiges Schöpfungswerkzeug des Geistes, denn erst wenn Du mit präzisen Worten und Beschreibung ein klar abgegrenztes etwas aus dem Nichts meiseln kannst, dann erst kann es eintreten in die Materie.
        Und wir sind die präzisesten, klarsten Beschreiber von Geistbildern und als Ergebnis konnten wir uns Vorstellungen machen, die wir in Mathematik, Physik usw. fassen konnten und so unseren Geist in die Materie bannen – ganz wichtig Annagramme: Wichtigstes Otto = 0110 = Otto Lilienthal – erster Vogelmensch = Otto Motor = Massivste Veränderung der Welt der Zeit in 100 Jahren.
        Im Wesentlichen ein Furz der einen Kolben antreibt – doch wie – schau Dich um, was die Furzmaschinen von seinem Geist mit diesem Traum der Zeit gemacht haben.
        Welche Macht des Geistes da in eine Maschine gedacht wurde.

        Von dem her das Wissen meiner ehemaligen Brüder Freimaurer:

        Das Wort ist das Schwert – denk mal drüber nach.

        Das Wort erst bringt die Masse der Sklaven zum kochen und bewegt dann diese Energie dazu sich im Töten zu transformieren und neue Nachfrage und Geld zu produzieren für die Herren der Welt.

        Immer noch das gleiche Spiel wie zu Zeiten meines Herren Jesus Christus aus Nazareth – wir haben 2016 Jahre seit seiner Ankunft immer noch nicht kapiert was er uns sagen wollte und gesagt hat.

        Die Auferstehung des GEISTES und nicht die Fortdauer des Fleisches.

        usw. usf.

        bin kaputt, hau mich hin in eine Schöpferpause

        Cioa Bella – danke

        Meister Vogel (mit IHK-Brief) avec les lamps
        Habe die Ehre

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