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Stille Frauen

wolf-1594637_1920Quelle: http://wortmalereien.com

Du erkennst sie am freundlichen Schimmer ihrer Aura,
wie zerstäubtes Perlmutt, unaufdringlich und sanft.
Sie sind still.
Du siehst sie oft, aber hörst sie kaum,
weil sie selten über sich selbst sprechen,
sondern gern zuhören,
während ihr warmglänzender Blick dich ruhig betrachtet.
Und bist du die Laute, die Redselige, die Kühne,
werden sie dich insgeheim vielleicht bewundern, beneiden
für deinen Mut und deine Kraft.

Sie sind die Stillen,
die zartwarmen Töne neben den kühlen Prachtfarben eines Gemäldes,
oft übersehen und sich ihrer Bedeutung, ihrer Macht viel zu wenig bewusst.
Oft sind es sie, die durch sanftmütige Zurückhaltung
den lauten, kraftvollen Papageienfederdamen
eine wohlwollende Bühne geben
und manchmal sogar Halt, wenn diese straucheln,
weil sich der hochhackige Schuh im Flittergewand verhakt hat.

Sie sind es, die sich oft einer Meinung enthalten,
wenn der Rest der Welt die ihre bereits gefällt hat
und sie lautstark kundtut.
Ihr bedächtiges und mildes Schweigen tut wohl
und gibt den sicht- und fühlbaren Kontrast,
den die Seele sucht, der alles ein wenig zu viel geworden ist.

Wenn sie nur wüssten, diese lieben Stillen,
wie heilsam ihre warmherzige Gegenwart ist,
einfach nur dadurch, dass sie da sind
und den Weg mit einem gehen,
schweigend in der Nähe stehen,
und weil ihre Präsenz die Welt um so vieles zärtlicher macht,
selbst wenn sie schweigen.

Sie sprechen mit leiser Stimme,
doch sind sie nicht wirklich schüchtern.
Hinter einer Fassade von scheuer, echter Freundlichkeit
verbirgt sich die Kraft einer Bärenmutter
und die tiefgründige Schönheit des Herzens,
die sich in ihrem Gesicht besonders dann zeigt,
wenn ihr bezauberndes Lächeln
die Müdigkeitsfältchen verschwinden lässt.

Oft sind es sie, die Stillen,
die dir das rechte Wort zur rechten Zeit schenken,
das Ja, die Bestätigung,
nach der du dich insgeheim so sehnst
(auch wenn du weißt, du solltest nicht),
weil Neid und Missgunst ihnen so fremd ist
wie der Sonne die Nacht
und ihre Seele immerzu die kindliche Freude
am Schönsinn zelebriert.

Ich danke den stillen Frauen,
die mit ihren sanften Herzfarbtönen
und ihrer leisen Stimme
unserer grell-schrägen Zwölftonwelt
ihre zartglimmenden Spuren aufdrücken.
Spuren, die selbst in dunkelster Nacht weithin sichtbar bleiben,
liebevolle Wegweiser auf dem Pfad unseres Lebens.

www.wortmalereien.com

Bild: www.pixabay.com

Über die Autorin

Andrea Maier, ihres Zeichens WortMalerin, liebt das Spiel mit Worten in allen möglichen Variationen. In ihren Texten betrachtet sie die Dinge hinter den Dingen und stellt Fragen nach dem Wesentlichen. Bewusst leben bedeutet für sie unter anderem, gelegentlich innezuhalten und einen Blick hinter die Kulissen des Offensichtlichen zu tun.

Mit ihren buntschillernden und ausdrucksstarken Texten lädt die 1973 in Wien geborene Wortkünstlerin ihre Leser immer wieder ein, die Spielräume ihrer Vorstellungskraft auszuloten und sich inspirieren zu lassen, die Dinge des Lebens einmal auch aus einer anderen Perspektive zu betrachten als der gewohnten. Andrea Maiers Bücher und Audio-CDs sind – neben vielen anderen Informationen über ihre umfangreichen Arbeiten – auf ihrer Autoren-Website www.wortmalereien.com zu finden.

2 Kommentare zu “Stille Frauen

  1. Es ist genau wie es dort beschrieben wird. Schon als Kind war ich dieser stille Beobachter, der die Welt mir eigenen Augen sah. Nie im Mittelpunkt stehend, als Ratgeber aber oft gefragt. Manchmal beneidete ich die anderen, die laut, hier bin ich sagten und das Leben verspielter sahen. Das ist bis heute so geblieben und ich habe oft, trotz meines angeeigneten Wissens (beruflicher Hinsicht) dass Gefühl nicht wirklich gesehen zu werden. Vielleicht als Hülle, aber nicht als Mensch mit Inhalt. Als ich irgendwann einmal gefragt wurde, als welches Tier ich mich sehe, da viel mir eigentlich nur der Schwan ein. Dieses schöne Tier bewegt sich auch im Hintergrund, ist selten zu hören, aber wenn er anfängt mit den Flügeln zu schlagen, dann sollte man aufpassen.

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