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Dr. Daniele Ganser – Jahresrückblick 2019

Paula P’Cay besuchte für eine Spezialausgabe unseres Formats „Auf Augenhöhe – Von Mensch zu Mensch“ den renommierten Schweizer Historiker Dr. Daniele Ganser in Basel und blickt mit ihm gemeinsam auf 2019 zurück.

Dr. Ganser erklärt, dass er in diesem Jahresausblick jene Themen des Jahres 2019 ansprechen will, die im Rückblick der ARD kaum oder gar nicht behandelt wurden.

Für Dr. Ganser ist der gescheiterte Putsch vom 23.1.2019 im Erdöl reichen Venezuela gegen den Präsidenten Nicola Maduro das 1. wichtige Ereignis des Jahres und er kritisiert massiv, dass Juan Guaidó zuerst vom US-Präsidenten Trump via Telefon und dann auch von Angela Merkel als Interimspräsident anerkannt wurde.

Als 2. wichtiges Thema nennt Dr. Ganser die schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg, die 2019 genützt hat, um die Ziele der „Fridays for future“ Klimaschutz-Bewegung weltweit bekannt zu machen. Thunberg wurde zum Symbol für den Wunsch der Jugend, dass beim Thema Klimawandel politisch endlich gehandelt wird, Dr. Ganser sieht ihren Einsatz für den Schutz der Umwelt 2019 positiv und er erklärt, dass es angesichts eines weltweiten Verbrauchs von 100 Millionen Fass Erdöl pro Tag zwingend notwendig ist in Richtung erneuerbarer Energie zu gehen.

Die von der ARD – in einem am 17. 2. publizierten Framing Manual – geäußerten Vorschläge, wie man jene Bürger, die Ihre Rundfunkgebühren nicht bezahlen, künftig benennen solle, kritisiert Dr. Ganser. Für den Historiker erklärt, dass es von zentraler Bedeutung ist, welche Begriffe medial wie und in welchem Kontext verwendet werden und er ermuntert daher die Rezipienten alles und jeden – auch ihn – kritisch zu hinterfragen und zu reflektieren.

Dr. Ganser kritisiert, dass der ARD-Jahresrückblick die Verhaftung von Wikileaks-Gründer
Julian Assange am 11. April 2019 nicht gezeigt hat und er erinnert an die Verdienste von Assange als Journalist und Aufdecker. Der Historiker spricht sich dafür aus, dass Assange freigelassen wird, da dieser laut Dr. Ganser vor allem seit dem Aufdecken von Kriegsverbrechen im Irakkrieg politisch verfolgt wird und er plädiert dafür, dass stattdessen jene inhaftiert werden, die den Irakkrieg politisch zu verantworten haben.

In der wissenschaftlichen Debatte zur Einsturzursache von WTC 7 am 11. September 2001 gibt es mit der am 3. September 2019 veröffentlichten neuen Studie von Leroy Hulsey von der University of Alaska Fairbanks, für Dr. Ganser einen entscheidenden Durchbruch, da diese Studie ganz klar zum Ausdruck bringt, dass WTC 7 gesprengt wurde.

Die 9/11 Forschung ist für Dr. Ganser deswegen so bedeutend, weil wir seit diesem Tag bis heute in der Rahmenerzählung „Krieg gegen den Terror“ leben und er erklärt, dass das Framing einer Epoche von entscheidender Bedeutung für das Leben aller Menschen ist.

Der Schweizer Friedensforscher erinnert daran, dass die Anschläge vom 11. September 2001 zum bisher einzigen NATO- Bündnisfall, dem Afghanistankrieg der NATO führten, weitgehende Einschränkungen von Grund-, Bürger- & Freiheitsrechten in den USA durch den „Patriot Act“ Realität wurden, globale Überwachung zur Norm geworden ist und in der Folge die Rüstungsausgaben der USA immer weiter – 2017 lagen sie bei über 700 Milliarden Dollar – angestiegen sind.

Dr. Ganser plädiert dafür den Krieg gegen den Terrorismus zu stoppen und er erinnert daran, dass Deutschland immer noch Krieg in Afghanistan und in Syrien führt, etablierte Medien diese Kriegseinsätze aber oftmals als „Friedenseinsätze“ framen. Deutschland soll keine Soldaten mehr ins Ausland schicken und aus der NATO austreten fordert Dr. Ganser und der NATO selbst empfiehlt er die Auflösung, u.a. auch weil sich diese von Ihrer ursprünglichen Aufgabe als Verteidigungsbündnis zu agieren mit ihren „out of area“ Einsätzen weit entfernt hat.

Den Einmarsch des NATO-Mitglieds Türkei in Nordsyrien am 2. Oktober kritisiert Dr. Ganser scharf, da dies ein ganz klarer Verstoß gegen das UNO-Gewaltverbot ist.

Von Paula P´Cay zu den anhaltenden Gelbwestenproteste in Frankreich befragt erklärt Dr. Ganser, dass über dieses Thema 2019 medial vielfach nicht ausreichend berichtet wurde.

Den Putsch am 10. November 2019 in Bolivien, bei dem der indigene Präsident Evo Morales vom Militär gestürzt wurde und nach Mexico fliehen musste, verurteilt Dr. Ganser und er erinnert, dass das Militär in der Folge zahlreiche indigene Demonstranten getötet hat, doch medial fand dies kaum Beachtung.

Worüber die Medien berichten oder eben nicht berichten hat eine enorme gesellschaftliche Bedeutung macht Dr. Ganser klar.

Befragt, was er für 2020 vorhat, erklärt der Historiker, dass im April 2019 sein neues Buch „Imperium USA“ veröffentlichen wird und er sich auch 2020 selbst weiter für globalen Frieden einsetzen wird.

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